Komiker, Schauspieler und Autor Hape Kerkeling ist in Recklinghausen geboren und zur Schule gegangen. In diesen Tagen wird der Name des bekannten Entertainers in ganz Deutschland jedoch nicht mit Humor oder Unterhaltung verbunden, sondern mit einer eindringlichen Erinnerung an die nationalsozialistischen Verbrechen.
Kerkeling hat eine Rede gehalten, die viele Menschen bewegt hat. Bei den „Reflexionen 2026“ der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora sprach Kerkeling anlässlich des 81. Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald. Er traf offensichtlich einen Nerv der Zeit.
Kerkeling stand dabei bewusst nicht als prominente Persönlichkeit am Rednerpult. „Ich stehe hier heute nicht als öffentliche Person, sondern als Enkel eines Überlebenden“, sagte er gleich zu Beginn seiner Ansprache. Sein Großvater Hermann Kerkeling, ein Zimmermann aus Recklinghausen, war als politischer Häftling im KZ Buchenwald inhaftiert. Diese persönliche Perspektive zog sich durch die gesamte Rede und verlieh ihr eine besondere Eindringlichkeit.
Breite mediale Resonanz
Zahlreiche Medien griffen die Rede auf und würdigten ihren Ton und ihre Klarheit. Die Jüdische Allgemeine dokumentierte die Ansprache vollständig und hob hervor, Kerkeling habe mit seiner Familiengeschichte eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart geschlagen. Seine Worte seien „ein leidenschaftliches Plädoyer für eine lebendige Erinnerungskultur“ gewesen.
Auch die Deutsche Welle sprach von „bewegenden Worten“ und einer „großen Rede“, die den Gedenktag geprägt habe. Kerkeling habe es verstanden, persönliche Erinnerung und gesellschaftliche Mahnung miteinander zu verbinden – ohne Pathos, aber mit deutlicher Haltung.
In der taz wurde betont, wie ernst und klar sich Kerkeling zur aktuellen politischen Lage äußerte. Seine Warnung vor dem Relativieren nationalsozialistischer Verbrechen sei ein deutliches Zeichen in einer Zeit, in der Erinnerungskultur zunehmend in Frage gestellt werde.
Die Rede selbst: persönlich, klar, unmissverständlich
Im Zentrum der Ansprache stand die Geschichte seines Großvaters. Als Häftling in Buchenwald erlebte er dort am 11. April 1945 die Befreiung. Sein Enkel rief nun an diesem Ort dazu auf, Ausgrenzung und Spaltung entschieden entgegenzutreten. Erinnerung bedeute nicht nur Gedenken, sondern auch Verantwortung für die Gegenwart: Kerkeling schilderte sachlich, aber eindrücklich, was die Haft bedeutete: die Reduktion des Menschen auf eine Nummer, die systematische Entmenschlichung. „Die Barbarei beginnt nicht mit dem ersten Schuss“, sagte Kerkeling, „sie beginnt dort, wo Menschen nur noch Nummern in einer Statistik sind“.
Besonders deutlich wurde er, als er den Bogen zur Gegenwart schlug. Die Erinnerung an die NS-Verbrechen sei keine historische Pflichtübung, sondern Voraussetzung für eine demokratische Gesellschaft. Wer heute die Erinnerung diffamiere oder relativiere, füge den Opfern und ihren Nachfahren neues Unrecht zu. „Ein Schlussstrich unter die Erinnerung wäre der Schlussstrich unter unsere Demokratie“, formulierte Kerkeling einen Satz, der vielfach zitiert wurde.

