Gedenken an Opfer der NS-Herrschaft

Laden ein zum Gedenken (v. l.) Marc Gutzeit, Pfarrer Aloys Wiggeringloh und Georg Möllers vor dem Relief für den ermordeten August Wessing in St. Antonius. Foto: Cornelia Möllers

Für Sonntag, 25. Januar, lädt das Stadtkomitee der Katholiken zum Gedenkgottesdienst für die Opfer der NS-Herrschaft ein. Im Mittelpunkt stehen zwei symbolische Kerzen und Kaplan August Wessing, der den Terror nicht überlebte.

Seit 1996 wird der 27. Januar in Deutschland als Gedenktag für alle Opfer der nationalsozialistischen Herrschaft begangen. Dazu lädt das Stadtkomitee der Katholiken in diesem Jahr zu einem Gedenkgottesdienst am Sonntag, 25. Januar, um 11 Uhr in die Kirche St. Antonius, Antoniusstraße 12 in König Ludwig, ein. Als besonderes Symbol der Erinnerung mit Gedenk- und Tatorten werden dabei zwei Kerzen geweiht. Die eine wird in das Kloster Maria Martyrum nach Berlin geschickt. Das Kloster liegt unweit der Hinrichtungsstätte Plötzensee, in der vor allem weltanschauliche und politische Gegner des Regimes ermordet wurden. 

Marc Gutzeit: „Die Ordensgemeinschaft gedenkt besonders dieser Menschen, darunter auch des ermordeten Erich Klausener, dessen Asche in der Nachkriegszeit in der Kirche beigesetzt wurde.“  Der ehemalige „Soziale Landrat“ in Recklinghausen war 1934 als „gefährlicher Katholikenführer“ in Berlin von einem SS-Kommando erschossen worden.

Die zweite Kerze erinnert an die jüdischen Familien aus Recklinghausen, die am 24. Januar 1942 aus den fünf „Judenhäusern“ geholt und in das Ghetto Riga deportiert wurden. Georg Möllers: „Nur wenige überlebten. Viele wurden in den Wäldern um Riga erschossen und dort in Massengräbern verscharrt.“ Ihrer gedenkt ebenfalls eine Gemeinschaft der Karmelitinnen in einem Kloster, das unweit der Todesstätten erbaut wurde. So sind die Recklinghäuser in einer Gedenk- und Gebetsgemeinschaft mit den Tatorten in Berlin und Riga verbunden.

Wie alljährlich wird in der Messe auch an Opfer aus dem Gemeindegebiet gedacht. In St. Antonius wird es der ermordete ehemalige „Polenkaplan“ August Wessing sein. Bei Gründung der Gemeinde in der Aufbauzeit des Bergbaus waren 66 Prozent der Mitglieder fremdsprachig. Wessing nahm sich ihrer an und lernte auch weitere Fremdsprachen. Dieses „Engagement für die Zuwanderer behielt er auch angesichts der rassistischen Ideologie der Nationalsozialisten bei“, betont Pfarrer Aloys Wiggerlingloh: „Für ihn gab es nicht Ausländer oder gar Untermenschen. Für Christen ist jeder Mensch ein Geschöpf Gottes.“ Wiggeringloh ist selbst in Hoetmar aufgewachsen, wo August Wessing als Pfarrer trotz der Drohungen und Verbote polnische, ukrainische und russische Zwangsarbeiterinnen und -arbeiter unterstützte. Nach seiner Verhaftung überlebte Wessing die KZ-Haft in Dachau nicht. 

Für das Stadtkomitee ist das Gedenken zugleich gegenwarts- und zukunftsorientiert. Georg Möllers: „Für unsere Überzeugung von der Unantastbarkeit der Menschenwürde müssen wir alle eintreten. Sie wird auch im 21. Jahrhundert mit Füßen getreten." 

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