Starke Filme, starke Gefühle beim Kirchlichen Filmfestival

Regisseur Georgi M. Unkovski gab nach der Auszeichnung von „DJ Ahmed“ Einblicke in die Dreharbeiten und die Zusammenarbeit mit den Menschen in Nordmazedonien. Foto: Kirchliches Filmfestival/Achim Pohl

Es waren fünf Tage, an denen man schon beim Betreten des Kinos Cineworld in Recklinghausen spürte: Hier passiert etwas Besonderes.

Das Cineworld an der Kemnastraße war erfüllt von Stimmen, Begegnungen, leisen Erwartungen und einem Hauch von Festivalglanz. Rund 2.200 Menschen kamen. Manche voller Vorfreude, andere neugierig, viele einfach offen für Geschichten, die bewegen. Und die gab es von Mittwoch bis Sonntag täglich.

Was einst als kleines, mutiges Projekt begann, hat sich längst einen festen Platz im Herzen vieler Besucherinnen und Besucher erobert. Auch in diesem Jahr zeigte das Kirchliche Filmfestival Recklinghausen, wie stark die Verbindung zwischen Filmkunst und gesellschaftlichen Fragen sein kann. Zwölf Spielfilme, ein Dokumentarfilm und zehn Kurzfilme standen auf dem Programm, einige davon zum ersten Mal in Deutschland gezeigt.

Ein Abend, der unter die Haut ging

Der Samstagabend mit der Vergabe des Ökumenischen Filmpreises fühlte sich diesmal besonders intensiv an. Als „DJ Ahmed“ als Preisträger verkündet wurde, war im Saal sofort diese Mischung aus Respekt und stiller Freude zu spüren. Der Film aus Nordmazedonien erzählt die Geschichte von Ahmet und seinem jüngeren Bruder Naim. Zwei junge Menschen, die die Musik ihrer verstorbenen Mutter in sich tragen und damit ihren eigenen Weg zwischen Trauer, Freiheit und einer Liebe finden, die nicht allen gefällt. Die eindrucksvollen Landschaftsbilder, die warmen, stillen Szenen und der unerwartete Humor – all das hinterließ bei vielen im Publikum Emotionen, die sie nicht so schnell vergessen werden.

Als Regisseur Georgi M. Unkovski auf der Bühne stand, sprach er Worte, die den Saal für einen Moment ganz ruhig werden ließen: „Dass diese persönliche Geschichte so viele Menschen erreicht, macht mich unendlich dankbar. Und dass der Humor auch Sie anspricht, zeigt, dass wir alle Menschen sind und dass das, was uns verbindet, viel stärker ist als das, was uns trennt.” Es war einer dieser Sätze, die bleiben.

Nähe macht das Festival einzigartig

Zu Beginn des Abends machten Friederike Melloh und Marc Gutzeit vom Veranstalterkreis “Kirche und Kino” deutlich, was das Festival trägt: Menschen. Publikum, Filmschaffende, Ehrenamtliche, Unterstützende schaffen gemeinsam diesen besonderen Raum, in dem Begegnungen wichtiger sind als rote Teppiche. Die neue Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, Dr. Adelheid Ruck-Schröder, knüpfte daran an. Sie brachte auf den Punkt, was die Filme des Festivals leisten können: „Starke Filme zeigen die Widersprüchlichkeiten der Wirklichkeit – genau solche Filme präsentiert dieses Festival.“

Worte hallen nach

Die Laudatio von Prof. Dr. Michael Höffner war ebenso ein Höhepunkt. Seine Beschreibung von „DJ Ahmed“ als „eine berührende Ermutigung, Verlust zuzulassen und Freiheit zu wagen“ traf viele mitten ins Herz. Seine Worte von den Menschen, „die das Vermissen lernen müssen“, machten spürbar, wie existenziell Kino sein kann. Und wie wichtig Freiheit ist, Eine Freiheit, die Mut braucht, wie Höffner eindringlich erinnerte.

Junge Jury, große Eindrücke

Schon am Freitagabend übergab die Jugendjury ihren Preis an den Film „Wild Foxes“. Besonders die Darstellung von Schauspieler Faycal Anaflous beeindruckte die jungen Erwachsenen. Am Samstag war dann die Kinderjury an der Reihe. Ihr Preis „Der grüne Zweig“ ging an die Drehbuchautorin Antonia Rothe Liermann für „Das geheime Stockwerk“. Eine Geschichte, die kindlich erzählt und doch voller Ernst über Mut, Freundschaft und Verantwortung spricht. Wie jedes Jahr erhielten die Preisträgerinnen und Preisträger ein Olivenbäumchen als ein kleines, lebendiges Zeichen der Hoffnung.

Festival öffnet Herzen

Zwischen Filmvorführungen, Gesprächen im Foyer, spontanen Begegnungen und stillen Momenten im Kinosaal wurde wieder spürbar, was dieses Festival ausmacht: Menschen reden miteinander. Sie teilen Erlebnisse, diskutieren Unterschiede, entdecken Gemeinsamkeiten. Viele Gästinnen und Gäste sagten am Ende, wie beeindruckt sie von der Offenheit waren, mit der über Freiheit, Verlust, Humor, Tradition und gesellschaftlichen Wandel gesprochen wurde. Das Kirchliche Filmfestival hat auch in diesem Jahr wieder gezeigt, wie sehr Kino Horizonte öffnen kann – und wie gut es tut, Geschichten zu sehen, die sonst kaum erzählt würden.

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