Die Diskussion beginnt schon beim Begriff: Zwar hat die Entstehung des Mobiltelefons amerikanische Wurzeln, doch ist der Begriff „Handy“ eine deutsche „Erfindung“. Unbestreitbar sind Nutzen und Allgegenwart; es scheint für den Alltag unverzichtbar. Aber, so fragen wir in der Apotheke: Wie ist es mit den Risiken und Nebenwirkungen? Dieses Thema bewegt die Menschheit nicht nur weltweit, sondern auch die Recklinghäuser Schulen. Wir haben stichprobenartig nachgefragt. Text: Georg Möllers
Michael Rembiak, Leiter Gymnasium Petrinum
Soziale Interaktion im Lebensraum Schule ist unersetzbar – auf Basis dieser Lockdown-Erkenntnis und der nunmehr durchgehend zur unterrichtlichen Nutzung vorhandenen Schul-IPads haben wir am Petrinum zum aktuellen Schuljahr unsere Mediennutzungsordnung novelliert. Mit dem Ziel der Einschränkung privater Mediennutzung zugunsten der Stärkung sozialer Interaktion ist insbesondere die Nutzung von Mobiltelefonen nun durchgehend während der Schulzeit auf dem Schulgelände untersagt. Ausgenommen ist nur die Oberstufe in Freistunden. Bei Zuwiderhandlung wird das Mobiltelefon durch eine Lehrkraft zur Abholung nach Unterrichtsschluss eingesammelt. So kontrovers in der Schulkonferenz darüber gestritten wurde, da man lieb gewonnene Freiheiten, in deren Rahmen die Ältesten außerhalb des Unterrichts uneingeschränkt ihr Handy genutzt und auch die Mittelstufe in Pausen lokal dem Götzen Handy gefrönt hatte, so akzeptiert scheint die Regelung nach einem halben Jahr zu sein, wie eine Schülerin kürzlich bestätigte: „Wir gehen in den Pausen anders miteinander um. Wir reden mehr miteinander, anstatt jeder für sich am Handy zu hängen. Man sieht die Jüngsten, die miteinander spielen und sich an der frischen Luft austoben. Im Leseland hat sich eine Schachrunde etabliert – insofern kann man festhalten: Ziel erreicht!
Johanna Wand Greve, Beratungslehrerin EF Wolfgang-Borchert-Gesamtschule
An der Wolfgang-Borchert-Gesamtschule in Recklinghausen möchten wir den Umgang mit Smartphones im Schulalltag bewusst gestalten. Ziel ist es, gute Lernbedingungen zu schaffen, Konzentration zu fördern und den persönlichen Austausch unter den Schüler*innen zu stärken. Smartphones gehören selbstverständlich zur Lebenswelt junger Menschen, gleichzeitig braucht Schule klare Ab sprachen, um Ablenkungen zu reduzieren. Ab dem Schuljahr 2025/26 gilt daher die Regelung, dass Smartphones während des Schultages grundsätzlich nicht privat genutzt werden. Wenn ein Gerät mitgebracht wird, soll es beim Betreten des Schulgeländes ausgeschaltet oder im Flugmodus und nicht sichtbar aufbewahrt werden. Eine Nutzung ist möglich, wenn eine Lehrkraft dies ausdrücklich für unterrichtliche Zwecke erlaubt. Für die digitale Arbeit stehen den Schüler*innen die von der Schule bereitgestellten Laptops zur Verfügung. In der Praxis wird bei Verstößen das Smartphone vorübergehend einbehalten und kann am Ende des Schultages im Sekretariat wieder abgeholt
Britta Richta Schulleiterin Ortlohgrundschule
Handy in der Schule – ja oder nein? Im Schulalltag legen wir an der Ortlohschule großen Wert darauf, dass sich die Kinder aktiv bewegen, miteinander spielen und soziale Kontakte pflegen. Die Nutzung von Handys, Smart-Watches, iPads und ähnlichen Geräten stellt uns dies bezüglich vor besondere Herausforderungen. An der Ortlohschule haben wir gemeinsam mit der Schulkonferenz festgelegt, dass auf dem Schulgelände – sowohl während der Schulzeit als auch in der OGS-Zeit – die Nutzung von Handys nicht gestattet ist. Handys müssen während des gesamten Schulaufenthalts ausgeschaltet in der Tasche verbleiben. Dies gilt auch für die Zeit auf dem Schulgelände im Rahmen der Nachmittagsbetreuung. Jede Schule war aufgerufen bis zu den Herbstferien 2025 eigene Handyregeln zu erarbeiten. Dafür stellt das Ministerium den Schulen „Empfehlungen zum Umgang mit Handys“ und „exemplarische Handyregelungen“ zur Verfügung. Diese geben den Schulen eine Orientierung und sollen in einem internen Abstimmungs- und Gestaltungsprozess individuell an die Gegebenheiten jeder Schule angepasst werden.
Denis Köhler, Stadtteilmanager Süd, studierter Sozialarbeiter und ausgebildeter Betriebsinformatiker beim SkF Recklinghausen e.V.
Ohne Handy in die Schule? Klarer Fall: Jein. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass man ganz ohne Teilnahme am digitalen Leben ein Stück weit zum Außenseiter wird und vieles nicht mitbekommt. Das können Nachrichten aus aller Welt sein oder der neueste Klatsch und Tratsch. In meiner IT- und Medienreihe im SkF-Stadtteilbüro in Süd gehen wir auf Reize und Überreize von Sozialen Medien und Internetnutzung ein. Die sogenannte „FOMO“, die „Fear of missing out“, auf Deutsch „die Angst, etwas zu verpassen“, sorgt dafür, dass man vom Mobilgerät nicht mehr wegkommt. Andererseits findet im digitalen Raum aber auch ein Großteil unseres Soziallebens statt, für Jugendliche deutlich mehr als für Erwachsenen. Soziale Medien führen gerade bei jungen Menschen oft zu Problemen, die sich im Erwachsenenalter nicht mehr beheben lassen. Gemeint sind Konzentrationsstörungen, fehlende Strategieentwicklungs- und Konfliktlösungsfähigkeiten. Diese für Erwachsene wichtigen Kompetenzen wären teilweise nicht vorhanden, wenn Eltern und Schulen bei der Handynutzung ihrer Kinder nicht die gleiche Strategie fahren. Für einen gesunden Umgang mit mobilen, internetfähigen Geräten müssen beide Parteien ein „gesundes Maß predigen“. Einschränkungen in der Smartphone-Nutzung sind richtig. Sie schaden nicht. Ein generelles Verbot könnte ich inhaltlich nachvollziehen, halte es aber für kontraproduktiv. Der Reiz daran wird meistens größer. Ebenso, wenn etwas als harmlos bewertet wird.
Dieser Artikel erschien zunächst der aktuellen geistREich, Magazin der Stadtkirche Recklinghausen.

