In fast allen Weihnachtskrippen kommen sie vor. Neben Maria, Josef und dem Jesuskind stehen Ochs und Esel im Stall. In der biblischen Weihnachtsgeschichte ist von den tierischen Begleitern jedoch gar keine Rede. Wann und wie kamen sie also ins (Krippen)-Spiel?
Der Evangelist Lukas notiert über die Geburt Jesus: „Als sie dort waren, kam für Maria die Zeit ihrer Niederkunft, und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war“, (Lukas, 2,6-7). Tiere kommen bei Lukas lediglich in Form von Schafen vor. Er berichtet weiter, dass Schafhirten auf einem nahegelegenen Feld von einem Engel auf die Geburt Jesus aufmerksam gemacht werden (Lukas 2, 8-14).
Pseudo-Matthäus-Evangelium erwähnen Tiere erstmals
Erst im vierten Jahrhundert nach Christus werden ein Ochse und ein Esel in Zusammenhang mit der Geburt Christi gebracht und zwar auf bildlichen Darstellungen, wie zum Beispiel dem Stadtsarkophag in der Kirche St. Ambrogio in Mailand (ungefähr im Jahr 380 nach Christus erschaffen). Explizit genannt werden die beiden Tiere dann im sogenannten Pseudo-Matthäus-Evangelium. Es handelt sich dabei um Geschichten, die an das Evangelium von Matthäus angelegt sind und die sich mit Einzelheiten der Kindheit von Jesus bis zu seinem zwölften Lebensjahr befassen. Diese Texte, die wahrscheinlich um 600 nach Christus aufgeschrieben wurden, – die vier Evangelien der Bibel entstanden im 1. Jahrhundert nach Christus – finden später keinen Eingang in den Kanon der offiziellen Bibel. Doch warum werden ausgerechnet die beiden Haustiere als Begleiter der Geburt Jesus hinzugefügt?
Nach Deutung einiger Historiker könnte die Erwähnung der beiden Stallbewohner ein Verweis auf Schriften des Alten Testaments sein. In einem Vers im Buch Jesaja heißt es: „Der Ochse kennt seinen Besitzer und der Esel die Krippe seinen Herrn; Israel aber hat keine Erkenntnis, mein Volk
hat keine Einsicht“, (Jesaja 1,2-3). Nach Ansicht der Wissenschaftler könnten die beiden Tiere nachträglich ergänzt worden sein, um zum Ausdruck zu bringen, dass das Volk Israel – im Gegensatz zu den beiden schlauen Tieren – Jesus als seinen Herrn und Retter nicht sofort erkannt hat.
Grundstein für Brauch legt vermutlich Franz von Assisi im Jahr 1223
Aber auch ein Verweis auf den Propheten Habakuk erscheint laut moderner Bibel-Wissenschaft möglich. Im Pseudo-Matthäus-Evangelium werden die Tiere bemüht, um zu zeigen, dass die Prophezeiungen des Habakuk sich erfüllen: „Inmitten zweier Lebewesen wirst du erkannt“, (Pseudo-
Matthäus-Evangelium Abschnitt 14, 1). Nach allegorischer Lesart symbolisiert der Ochse hierbei die Juden, während der Esel für die Heiden steht. Den Grundstein für den heutigen Brauch, zu Weihnachten eine Krippe aufzustellen – natürlich mit Ochs und Esel – legt vermutlich Franz von Assisi im Jahr 1223. Er stellt damals in einem Wald in der Nähe des Klosters Greccio in Italien die Weihnachtsgeschichte mit lebendigen Personen und Tieren nach. Damit will er all jenen Gläubigen, die des Lesens nicht mächtig sind, das Weihnachtsevangelium anschaulich machen. Die vermutlich ältesten Krippenfiguren stehen ebenfalls in Italien in der Sixtinischen Kapelle in Rom. Sie stammen aus dem Jahr 1291 und sind aus Alabaster gehauen, der aufgrund seiner weichen Konsistenz filigrane Arbeiten zulässt.
Erst ab dem 16. Jahrhundert tauchen dann allerdings Krippendarstellungen in anderen katholischen Kirchen in Europa auf. Der Weg zur Krippe für den Hausgebrauch ist nun nicht mehr weit. In Südtirol beginnen die Bergbauern im 17. Jahrhundert mit dem Schnitzen von Krippenfiguren und Ställen. Während sich die Krippendarstellung zunächst auf fünf Figuren konzentrieren – Jesus, Maria, Josef, Ochs und Esel – kommen im Laufe der Zeit immer mehr hinzu: Hirten mit Schafen, der Verkündigungsengel, der Weihnachtsstern über dem Stall und die Heiligen Drei Könige und ihr Kamel. Heute sind der Krippen-Fantasie jenseits von Ochs und Esel kaum mehr Grenzen gesetzt.
Text: Christine Walther
Dieser Artikel erschien zunächst in geistREich, Magazin er Stadtkirche Recklinghausen, Ausgabe Dezember. Das Heft wurde an alle Haushalten in Recklinghausen verteilt. Sie haben kein Magazin erhalten? Dann teilen Sie uns dies bitte mit per E-Mail an geistreich@katholisch-recklinghausen.de und holen sich Ihr Exemplar in einer katholischen Kirche in der Nähe oder im Katholischen Zentrum, Kemnastraße 7.

