Armut im Alter bleibt oft unsichtbar und für viele Betroffenen zutiefst unangenehm. „Viele Senioren schämen sich sehr, finanzielle Hilfen in Anspruch zu nehmen“, weiß Agnes Hortebusch (siehe Foto), „auch, wenn sie ihnen zustehen." Man müsse bedenken, dass diese Menschen einer anderen Generation angehören, in der Bedürftigkeit und Not auch mit Scham behaftet seien.
Wenn der Hausbesuch die Realität zeigt
Wie groß die Not tatsächlich ist, erlebt Hortebusch, Seniorenberaterin beim Caritasverband für die Stadt Recklinghausen, regelmäßig bei Hausbesuchen. Viele Ratsuchende seien gesundheitlich so eingeschränkt, dass sie ihre Sprechstunde gar nicht mehr aufsuchen könnten. „Und spätestens in der Wohnung wird sichtbar, wie eng es finanziell zugeht“, erzählt sie. Die Beispiele sind vielfältig: Ein fehlender Bademantel verhindert den Antritt einer Reha. Eine zerbrochene Brille wurde notdürftig zusammengeklebt, weil das Geld für eine neue fehlt. Eine durchgelegene Matratze bereitet Schmerzen, ein kaputter Staubsauger zwingt den Pflegedienst zur Improvisation.
Vertrauen schafft Offenheit
In vielen Beratungsgesprächen entstehe eine Atmosphäre, die Offenheit ermögliche, berichtet Hortebusch. „Die Menschen erzählen von finanziellen Sorgen, aber auch von Einsamkeit.“ Ihre Aufgabe umfasst die Beratung zu Pflegegraden, Leistungen der Pflegeversicherung und Unterstützungsangeboten für ältere Menschen. Doch wenn die Not akut sei, sei sie froh, auf den Sternschnuppe-Fonds zurückgreifen zu können.
Unbürokratische Hilfe – ohne Formulare und Fremdeinblicke
Der Fonds unterstützt ältere Menschen, die an Angebote der Caritas angebunden sind – unbürokratisch und diskret. Es gibt keine Formulare, keinen Kontakt zu Behörden und keine Offenlegung persönlicher Details gegenüber Fremden. Die Antragstellung erfolgt ausschließlich über Mitarbeitende der Caritas. Die Betroffenen bleiben anonym. „Gleichzeitig hilft diese Unterstützung auch gegen Einsamkeit. Sie haben das Gefühl, dass es Menschen gibt, die es gut mit einem meinen. Die Betroffenen empfinden das Geld eher als ein freundliches Geschenk“, erklärt Agnes Hortebusch. Der Fonds nehme Sorgen und gebe Freude.

Agnes Hortebusch, Seniorenberaterin beim Caritasverband für die
Stadt Recklinghausen. Foto: Caritas
Wie der Sternschnuppe‑Fonds funktioniert
Der Fonds gewährt einmalige Hilfen bis maximal 500 Euro für Menschen ab 60 Jahren, die sich in einer nachweislichen Notlage befinden. Voraussetzung ist, dass alle anderen Finanzierungsmöglichkeiten ausgeschöpft sind oder gesetzliche Ansprüche nicht mehr greifen. Über die Förderung entscheidet ein fachübergreifendes Gremium aus Mitarbeitenden des Caritasverbandes. Ein Ablehnungsbescheid muss nicht begründet werden.
Spendenkonto des Sternschnuppe‑Fonds
Wer den Fonds unterstützen möchte, kann unter folgendem Stichwort spenden: Sparkasse Vest Recklinghausen, Caritasverband für die Stadt Recklinghausen e.V., IBAN: DE34 4265 0150 0090 2147 76, Stichwort: Sternschnuppe. Für eine Spendenquittung genügt die Angabe der Kontaktdaten im Verwendungszweck.

