Caro Winter gehört zu den neuen Gesichtern am Ballermann. Dass ihre musikalischen Grundlagen auch in der Kirchenmusik liegen, überrascht viele. Ihr Vater, Kirchenmusiker Andreas Schröder, führte sie früh in die Chorarbeit ein und förderte ihren Gesang. Heute
steht Caro als professionelle Sängerin auf Festival- und Mallorcabühnen, während Andreas weiterhin in der Pfarrei tätig ist. Trotz unterschiedlicher musikalischer Welten spielt die familiäre Unterstützung bis heute eine zentrale Rolle – bei Proben, Entscheidungen und
sogar bei Auftritten auf Mallorca.
„Sie konnte singen, bevor sie richtig sprechen konnte“. Andreas Schröder erinnert sich lebhaft an die frühen Jahre: an Kinderchorproben, bei denen die kleine Caro einfach mitsang, lange bevor sie deutlich sprechen konnte. „Sie hat immer schon sehr sauber intoniert. Das ist selten“, sagt er. Caro wuchs im Kinderchor auf, sang später in Schulchören und Ensembles, trat auf Hochzeiten auf und brachte sich zusätzlich selbst das Gitarrespielen bei. „Bis zum Abi gehörten Chorproben zu meinem Alltag“, sagt sie. Während des Studiums kamen vermehrt solistische Auftritte als „Hochzeitssängerin“ dazu.
“Ich wusste gar nicht, was am Ballermann musikalisch passiert”
Auch zuhause war Musik allgegenwärtig. „Ich bin bei meinem Vater in den Proben groß geworden“, erzählt Caro. „Er hat mich überall mitgenommen.“ Für Andreas wiederum stand schon früh fest, dass er Kirchenmusiker werden wollte – eine Entscheidung, die sein Leben prägte und später auch ihre musikalische Entwicklung beeinflusste. An Heiligabend wirkt Caro inzwischen gelegentlich im Gottesdienst mit, wenn Andreas die musikalische Gestaltung übernimmt. Für diesen Abend bildet sich ein Projektchor, in dem alle Kinder mitmachen können, die Freude am Singen haben. Caro unterstützt die Gruppe punktuell, übernimmt einzelne Strophen oder Solopassagen und ergänzt so die Gestaltung des Gottesdienstes. Für beide ist das ein gemeinsamer Moment, der an ihre musikalischen Anfänge erinnert. Ein ungewöhnliches Duo bleiben sie trotzdem: der Vater, der jeden Sonntag an der Orgel sitzt – und die Tochter, die am Wochenende auf Festivalbühnen oder im Bierkönig steht. Andreas lacht: „Bevor Caro damit anfing, wusste ich gar nicht, was am Ballermann musikalisch passiert.“ Heute kennt er die Szene – und viele ihrer Künstlerinnen
und Künstler – fast so gut wie seine Tochter.
Dass Mallorca einmal eine so große Rolle spielen würde, hätte Caro selbst nicht erwartet. Erst 2023 war sie erstmals als Urlauberin dort. „Im April war ich da, und im August hat mich dann schon ein Musik-Label kontaktiert.“ Der Durchbruch kam über TikTok: „Ich habe einfach angefangen, Ballermann-Songs mit Gitarre oder Klavier zu covern.“ Die Videos gingen viral. 2024 folgten die ersten Auftritte, heute ist sie fester Bestandteil der Bierkönigfamilie auf Mallorca. Songs wie „Willkommen auf Mallorca“ oder „Flugbegleiterin“ wurden millionenfach gestreamt. Trotz der oft lauten Umgebung beschreibt Caro die Stimmung dort überraschend positiv: „Die Leute sind viel freundlicher, als viele denken. Es ist ein bisschen wie eine große Familie.“
Familie besucht Caro bei ihren Auftritten im “Bierkönig” auf Mallorca
Caro sieht Social Media als festen Bestandteil ihrer Arbeit. Gleichzeitig legt sie großen Wert auf musikalische Qualität. Besonders deutlich wir das in ihren Malle-unplugged-Versionen. Andreas beobachtet diese Entwicklung mit fachlichem Blick: „Da hört man ihre Stimme pur: Zweit- und Drittstimmen, alles selbst eingesungen. Das ist anspruchsvoll – viel anspruchsvoller, als viele glauben.“
Für Caro spielt ihre Familie eine besondere Rolle. Nicht nur ihre Eltern, auch Verwandte und Freunde reisen regelmäßig mit zu ihren Auftritten. „Wir wollten natürlich beim ersten Auftritt auf Mallorca dabei sein“, erzählt Andreas. „Und dann waren wir erstaunt, wie schnell sie Erfolg
hatte.“ Mittlerweile sind daraus regelrechte Familienreisen geworden. Gemeinsam stehen sie im Publikum, singen mit und unterstützen Caro bei ihren Auftritten. „Wir fahren nicht nur hin, um zu feiern – wir fahren hin, um Caro zu sehen“, sagt Andreas. Und manchmal hört er irgendwo
in der Warteschlange: „Da ist Caro Winter!“ Er freut sich, wenn andere sie erkennen und ihren Namen rufen. „Natürlich macht mich das stolz“, sagt er offen. Caro sagt dazu mit einem Lächeln: „Meine Eltern sind meine größten Fans.“
Auftritte dauern 30 Minuten -die wegen dorthin mehrere Stunden
Was viele nicht sehen: Caros Alltag besteht weniger aus Glitzer als aus Organisation und vielen Reisen. „Man verbringt die meiste Zeit im Auto oder im Flieger“, erzählt sie. Auftritte dauern oft nur 30 bis 40 Minuten, der Weg dorthin jedoch mehrere Stunden. Festivals in Deutschland, Einsätze auf Mallorca, Social-Media-Arbeit, Songwriting – ihre Wochen sind dicht gefüllt. Für diese Arbeit braucht es ein Team: Tourbegleitung, Fahrer*innen, Technik. „Alleine ist das gar nicht machbar“, sagt Caro. Die Saison von April bis Oktober ist intensiv, aber genau das macht ihr Freude:
„Es ist das Beste, was mir passieren konnte.“
Andreas begleitet Caros Weg mit der Gelassenheit eines erfahrenen Musikers und der Aufmerksamkeit eines Vaters, der ihr Talent seit frühester Kindheit kennt. „Ich sehe, wie selbstverständlich sie heute mit ihrer Musik arbeitet“, sagt er. „Das macht mich stolz.“ Die Geschichte der beiden zeigt: Auch sehr unterschiedliche musikalische Richtungen können aus demselben Fundament wachsen. Caros beruflicher Weg mag weit von der Kirchenmusik entfernt wirken, doch ihre Wurzeln liegen unverändert in den Stunden, die sie mit Andreas in Proben, Chören und Gottesdiensten verbracht hat.
Text: Alina Lübbers
Zur Person
- Andreas Schröder
- Kirchenmusiker der Pfarrei Liebfrauen – zuständig
für die Kirchorte St. Johannes und St.
Barbara in Suderwich und Hl. Geist in Essel
- Verheiratet, drei Kinder
- 58 Jahre alt - Caro Winter (Schröder)
- Partyschlagersängerin
- 25 Jahre alt
- neuester Hit: Mit dem Schlitten Heim
- erfolgreichster Hit: Flugbegleiterin
- Instagram: carowinter.music
Tipp
- Am 24. Dezember um 15.30 Uhr singt Caro gemeinsam mit dem Kinderchor „Orgelpfeifen“ in dem Familiengottesdienst auf dem Hof Hilbring in Essel.
Hinweis: Dieser Artikel stammt ursprünglich aus der “geistREich”, dem Magazin der Stadtkirche Recklinghausen, Ausgabe Dezember, die am Samstag, 6. Dezember, stadtweit verteilt wird.



